Kritik und Konfrontation
Bereits im Vorfeld des subvision Festivals formieren sich kontroverse Positionen in der Hamburger Kunstszene. Das Festival, das unter dem Schirm drei grosser Hamburger Kunstinstitutionen die eigeninitiativ begründeten Arbeitsweisen der Off-Szene ausloten will, stösst auf Opposition. Kristallisationspunkte für Vorwürfe: der Zusammenschluss der Projektinitiative, die umfangreiche Unterstützung durch namhaften Stiftungen und bürgerschaftliches Engagement und die polarisierende Location in der zukünftig boomenden HafenCity. Die Kombination einer klar kuratierenden internationalen Festivalstruktur mit dem Thema ‘Off’ erzeugt Reibungsflächen, die sich im Internet rund um die festivaleigene Website finden. subvision schätzt diesen offenen Dissenz und die provokante Auseinandersetzung mit dem Thema. Immerhin erfährt die Frage nach dem Charakter der Off-Kunstszene erst durch das argumentative Umstellen eine Annäherung.
Zum Querlesen durch das Dickicht der Meinungen hier eine Zusammenstellung der angedockten Websites.
subvision.kulando.de
subvision.wordpress.com
subvision.blogger.de
subvision.blogspot.com
Der Publizist Hajo Schiff kommentiert in seinem Essay im Kunst-Magazin ‘Artist’:
“Manchmal organisieren staatliche Institutionen, nur um externe Zuschüsse zu bekommen, Konkurrenz gegen sich selbst: Ist es etwa Aufgabe eines Kunsthochschul- präsidenten im Team mit pensionierten Kunstdirektoren für eine Stadtentwicklungsgesellschaft mit beträchtlichem Aufwand ein zehntägiges Kunstevent in Überseecontainern zu organisieren, wie es in Hamburg im August geplant ist? Und dann fängt diese etabliert abgesicherte und standardisierte Präsentation noch ausgerechnet die eigentlich für ihre unkonventionelle Kreativität gelobte Off-Kunst ein.”

ich möchte kurz und nachdrücklich betonen, dass ich mich nirgends “angedockt” habe.
Sprechen wir statt von “angedockten” Websites also passender von “flankierenden”.
mit flankieren bin ich einverstanden :-)
15.04.08, 19:32 Anton C. Kunze : Dein Kommentar wartet auf Moderation.
Lieber Olaf Bargheer,
was bedeutet, dass eine Frage, so zweifelhaft diese für sich genommen schon sei, “Annäherung erfährt”? Und dann noch “erst durch argumentatives Umstellen”?
Wäre schön, wenn es dazu kommt, Antworten näher zu kommen und sich vom zur Unsinnigkeit getrimmten Sprech zu entfernen.
Es soll doch um die Inhalte gehen und nicht schon an der Fassade nerven.
Und inhaltlich ist einiges zu bemerken:
Dass allein zum “Kristallisationspukt” 2 einiges zu bemerken ist, offenbahrt mit einer Wortgruppe (”die umfangreiche Unterstützung durch namhaften Stiftungen und bürgerschaftliches Engagement”) das Verständnis der Subvision-Organisatoren vom Vorgang und ein merkwürdiges Selbstverständnis.
Ausgangspunkt einer Kritik sind 100.000 Euro Anschubfinanzierung, die aus dem Senatshaushalt für dieses Projekt zur Verfügung gestellt wurden, während die Szene (hier freie Hamburger Kulturinitiativen) denen Arbeitsweisen entspringen, die bei Subvision “ausgelotet” werden sollen, seit Jahren um den Erhalt der geringen Mittel kämpfen müssen. Aus dem den Künstlern bekannten Topf der Projektförderung kommt das Geld nicht. Dessen Förderungsleistung beträgt nicht einmal halb so viel - und das innerhalb eines ganzen Jahres!
Das “Ausloten” erscheint fast zwangsläufig kanalgerecht in unterschiedlicher Färbung.
Herr Köttering, der noch vor Fachpublikum etwas unkonkret aber doch zurückhaltend von nicht museumskonformen küntlerischen Praktiken spricht, unterhält die bürgerlichen Gönner beim Stiftermahl lieber mit der Aussicht der Entdeckung “der Künstler von übermorgen”. Folgerichtig entwickelt eine berichtende Journalistin vom Abendblatt ihren Artikel am Renditeerfolg eines Gemäldes von Gerhard Richter. Kein Wunder, dieses Klientel kann nicht verstehen, warum es Kritiker gibt.
Was ich mit fast zwangsläufig meine? Es ist die Gewohnheit, dass solche Projekte eher den Zynismus spiegeln, der in unserer Gesellschaft herrscht, statt wie oft postuliert zum Diskurs aufrufen. Und der Zynismus geht von den herrschenden, den bestimmenden Strukturen aus, die tatsächliche Diskussion und Veränderung nicht nur nicht wollen, sondern sich sogar noch mittels Vereinnahmungsstrategien der wirklichen Konfrontation entziehen.
Wenn draußen groß und auch auf dem Beipackzettel draufsteht, wie Subvision funktioniert und welche Interessenlagen bedient werden,
was man will und was man nicht will, könnte das geplante Festival ‘auf Augenhöhe’ beurteilt werden.
Beiträge, die diese und viel leisere aber gleichfalls legitime Fragen stellen, als “provokante Auseinandersetzung” zu bezeichnen, geht an dem vorbei, wie provokant es eigentlich ist, im oft basisnahen kulturpolitisch wirksamen und schlechtgeförderten Teil der Kulturszene mit goldener Schnur herumzuloten.
nach meinem gestrigen besuch bleiben viele fragen offen:
-wieso müssen mir zur begrüßung 2 leute sagen wo ich mein fahrrad anzuschließen habe und wo nicht?
-wieso gibt es so viele zäune?
-wieso gibt es so beknackte vip/mitmach-umhängeausweise?
-wieso im himmels willen möchte das festival subversiv sein, wenn es durch die hafencity gmbh gefördert wird?
-wieso sieht der fressplatz aus als wäre es das weinfest auf dem rathausmarkt?
-wieso kann ich beim besten willen keine freiheit erkennen?
-wieso läuft da schlechte ndr2-dance-mucke?
-wieso kommt mir der baltic-raw-tower so ausgeschlossen vor?
-wieso müssen mir baustellen-bewacher sagen dass des dort nix zu sehen gibt?
-und was daran ist eigentlich noch off und wieso muss dieses blöde wort überall dranstehen? vielleicht damit man es beim drübergehen nicht vergisst und weiß dass man nicht auf dem alstervergnügen ist…
…dann kommt doch lieber in die gänge!