Kriechstrom
Beitrag von Olaf Bargheer Man muss es offen aussprechen: Am ersten Wochenende sind wir abgesoffen. Der Baltic Raw Verschalungsbau ist ein zimmermannstechnischer und ästhetischer Genuss, aber eine improvisiert verspannte Bauplane bewahrte ihn nicht vor den üppigen spätsommerlichen Regenschauern des Samstagabends. Es troff zu allen Seiten des Atriums herein. Was der Stimmung im Bau zunächst keinen Abbruch tat; wir bekämpften den Bindfadenregen mit eigens erfundener heisser Caipirinha und feinsten elektronischen Klägen von Tobias Schmid’s und Niko Tzoukmatis’ audision DJ Set. Bis selbst die robuste Totec-Anlage vor der immensen Feuchtigkeit kapitulierte. Irgendwo Kriechstrom, Audiokabel in Wasserlachen, Knacken in den Lautsprechern, Hauptschalter raus. Selbst die Baustrahler fingen anschließend noch an zu flackern und ließen die Kaispitze bald im Dunkeln zurück. Man trabte mit heissen Caipirinharesten und hängenden Schultern Richtung Veranstaltungshalle, durch deren Eingänge zwar Wind zog, aber zumindest kein Regen. Und wenn man skandinavische und osteuropäische Künstler zum Festival eingeladen hat, hat man selbst unter diesen widrigsten Bedingungen keinen kompletten Stimmungsabfall zu befürchten: Irgendwer packte sein MacBook aus, stöpselte es an den Beamer und googelte Best of Karaoke Tracks. Diese sehr eigene Grand Prix Adaption zog sich, nach einem Umzug ins Hotel Stadt Altona, bis in die frühen Morgenstunden. Der Newsticker des Deutschen Wetterdienstes sprach von anhaltenden Schauern am Sonntag, aber einer Besserung und bis zu dreißig Grad zum Wochenbeginn.

Regenschutz über BALTIC RAW