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Pimp my CV

Beitrag von Ele Jansen Ein Künstler, soviel darf behauptet werden, ist in erster Linie mal ein Selbstdarsteller. Und als solcher ist er angewiesen auf ein möglichst großes Publikum. Was aber, wenn es nicht klappt mit der Aufmerksamkeit? Wenn das werte Publikum abgelenkt ist durch großkapitalistischen Konsumpop? Dann greift die Kunst nach den Waffen des herrschenden ökonomischen Systems und buhlt professionell um öffentliche Aufmerksamkeit. Und dabei befindet der Künstler sich in guter Gesellschaft mit Marketing- und PR-Experten, die wiederum sich auch zu allzu gern als Künstler verstehen. Nur besser verdienen.

Ganz PR-Experte spricht der schweizer Künstler Thomas Haemmerli im D.I.V.O-Container dann auch von “Benchmarking“, “Elevator Pitches“ und davon, seinen „CV zu pimpen“, indem er am subvision Festival teilnimmt. Sein Vortrag ähnelt einem Meta-Marsch durch die gängige Wirtschaftsberaterlektüre. Der Besucher fragt sich, wie kommerziell ein Künstler heute sein muss, um sein Publikum zu bekommen. Sehr, according to Haemmerli, der seinen einstündigen Vortrag in einem unterhaltsamen Mix aus Denglisch und Schwizerdütsch hält.

Haemmerli hebt sich von seinen 30 Konkurrenten bei subvision schon mal dadurch ab, dass er mit Rotwein lockt: Er kredenzt 30-Euro-Barolo in Pappbechern. Vielleicht macht das durch den Alkohol ausgeschüttete Serotonin den Gast weniger kritisch. Was dem alten Kommunikationsstrategen Haemmerli durchaus recht sein dürfte. Denn seine Kunst ist nicht Bahn brechend. Der Container ist eingerichtet mit alten Memorabilien aus der Wohnung der verstorbenen Mutter, die Laptop-Präsentation zeigt Aufnahmen von Schuttcontainern, Mandalas und Skeletten. Zugegebenermaßen gibt es zu allen Motiven eine kleine Geschichte. Erheiternd. Seicht. Und hier liegt die Kunst, denn die Themen haben Wumms.

So beginnt Haemmerli über seinen Dokumentarfilm “Sieben Mulden und eine Leiche“ zu sprechen, eine bissige Meditation über den Tod seiner Mutter, die, so stellte sich nach ihrem Ableben heraus, ein Messi höchster Kategorie war. Er berichtet über die 3-Minuten-Schmach (”Elevator Pitch”), wichtigen Programmdirektoren auf internationalen Filmfesten nachzustellen, um seinen Film zu vermarkten. Dabei sei es verhältnismäßig dankbar, einen Film zu verkaufen, verglichen mit dem Vertrieb darstellender Kunst. Der “Long Tail“ habe im Internet dazu geführt, dass fürchterlich viel Konkurrenz auf dem Markt zu jeder Zeit verfügbar sei. Der Kommentar eines niederländischen Künstlers, dass dies doch gerade Chancen böte, legt offen, wie sehr Haemmerli die Konkurrenz zu scheuen scheint. Dabei müsste man annehmen, der ehemalige PR-Experte hätte alle Raffitücken der kommunikativen Persuasion mit der Muttermilch aufgesogen.

Nach kurzen Ausflügen zu Luhmann, Roth, Warhol und Marx schließt Haemmerli mit der Bitte ans Publikum, nun ein Foto von ihm zu machen, wie er ein jungfräulich zellophanverpacktes Exemplar von „Lenin – Was tun?“ über eine Opferschale hält. Die Botschaft? Künstler sind kapitalistische Kommunisten. Oder umgekehrt. Oder so.

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Eine Antwort zu “Pimp my CV”

herzlichen dank. aber: ich heisse haemmerli mit ae. (bitte korrigieren!) und der elevator pitch muss in einer minute oder drunter gemacht werden. drei minuten fährt kein lift, das wäre zu lange!



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